Eine Ausschaffung mit allen Mitteln

In Zug wird Recht gebrochen. Dies werfen MenschenrechtsaktivistInnen und PolitikerInnen dem Zuger Migrationsamt und der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) vor. Opfer ist eine sechsköpfige Familie aus Afghanistan.

Flughafengefängnis Kloten vor einigen Tagen: Immer wieder stellt die Mutter dieselben Fragen: «Wo sind die Kinder? Wie geht es ihnen? Überhaupt, wie geht es mit uns nun weiter?» Antworten erhält sie keine. Schon gar nicht von den Zuger Behörden, die sie hierhergebracht haben. Was diese bis eben aufführten, ist ein Schaustück sondergleichen. Tragödie und Groteske zugleich. Ihr Stoff: eine Familie, die ausgeschafft werden soll, viele Halbwahrheiten und ein Rechtsbruch um das Kindeswohl.

Der Umzugtrick
Auftakt des Spiels ist ein lustiger Handzettel vom 3. Oktober, ausgestellt vom Zuger Migrationsamt. Darauf abgebildet: ein Kleinlaster, voll bepackt mit vergnügten InsassInnen und viel Gepäck, der einem Wegweiser mit der Aufschrift «Züglete» folgt. Die Message ist klar: Es soll umgezogen werden, und zwar in eine kleine Wohnung. Adressatin der Nachricht ist die afghanische Flüchtlingsfamilie B.* Eltern und vier Kinder, die sich seit mehr als vier Monaten zu sechst ein Zwanzigquadratmeterzimmer in einer Asylunterkunft teilen, freuen sich.

Doch anstelle der Zügelhelfer kommen Polizisten. Ohne weitere Informationen wird die Familie zum Flughafen Zürich gefahren. Dort will man sie per Direktflug nach Norwegen ausschaffen. In Norwegen hatte die Familie ein erstes Asylgesuch gestellt, das abgelehnt wurde. Die Familie ist deshalb vor vier Monaten in die Schweiz gereist. Nach den Dublin-Richtlinien scheint der Fall klar: Die Familie muss zurück nach Norwegen.

Quelle: woz.ch/1643

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