Raphaël Grandjean, der dritte Mann

Der Präsident der Grünliberalen, Raphaël Grandjean, ist noch nicht der deklarierte Kandidat für die Nachfolge von Yvan Perrin, aber er könnte bei dem Duell FDP-SVP als Schiedsrichter fungieren, und wieso nicht, zu seinem Vorteil. Porträt eines Firmengründers, der von sich sagt, die dualistischen Ideologien ab zu lehnen

Raphaël Grandjean, der dritte Mann

Neuenburg. Der Präsident der Grünliberalen ist noch nicht der Kandidat für die Nachfolge von Yvan Perrin, aber er könnte bei dem Duell FDP-SVP als Schiedsrichter fungieren.

Porträt eines Firmengründers, der von sich sagt, die dualistischen Ideologien ab zu lehnen

Die Person fasziniert. Er hat sich als junger Neuenburger Ingenieur einen Namen gemacht, erfolgreicher Schöpfer von Unternehmen – er zieht es vor, dass man Schöpfer statt Geschäftsführer sagt, self-made-man, der sein erstes Unternehmen mit 22 Jahren gegründet hat. Heute, im Alter von 39 Jahren, ist er der Kopf eines Quartetts von Firmen, die in der Distribution von Unterhaltungsprodukten und der umweltfreundlichen Mobilität tätig sind. Dies unter der Schirmherrschaft eines Schriftzuges, der seine Initialen trägt, RG Group, mit Sitz in Corcelles, einem Vorort von Neuenburg. RG, wie Raphaël Grandjean – die Initialen befinden sich auch auf seinem massgeschneiderten Hemd – ausserdem gründender Präsident der Neuenburger Sektion der Grünliberalen, der seit achtzehn Monaten in der Politik tätig ist.

Dank eines bemerkenswerten Eintritts in den Kantonsrat im Mai 2013, mit fünf Abgeordneten und einer Rolle als Dreh- und Angelpunkt zwischen Linken und Rechten, könnten die Grünliberalen Schiedsrichter bei der Wahl des Nachfolgers von Yvan Perrin in den Kantonsrat am 28. September spielen. Falls sie im Rennen sind, wird das zwangsläufig mit ihrem logischen Führer Raphaël Grandjean sein. Die Entscheidung wird am 2.Juli in La Chaux-de-Fonds getroffen.

«Ich wollte mein Leben schon immer beherrschen und nicht erleiden. Ich mache die Dinge mit Leidenschaft und ich bin grundlegend glücklich.» Verheiratet und Vater eines kleinen Mädchens ist Raphaël Grandjean ein Unternehmer ausserhalb der Normen. Er geht mit einer ihm eigenen Philosophie vor. «Ich habe ein Verlangen, Firmenprobleme durch Innovation zu lösen. Mit einer nachhaltigen Perspektive.» Mit etwa fünfzig Angestellten in Corcelles geht es der RG Group, die in ganz Europa tätig ist, sehr gut.
«Ich verdiene gut», gibt Raphaël Grandjean zu. «Ich hätte einige meiner Unternehmen umsiedeln müssen, um eine steuerliche Optimierung vor zu nehmen. Eine solche Idee ist für mich nicht aus zu halten. Ich muss meinem Kanton das zurückgeben, was er mir ermöglicht hat zu erreichen. Ich zahle die Steuern ohne mit der Wimper zu zucken.»

Auf der Kante seines rechteckigen Schreibtisches sitzend, der mit einem sichtbar organisierten Durcheinander an Papierkram die Mitte seines Büros einnimmt, hat Raphaël Grandjean alle Fragen beantwortet. Er ist ein lebhafter Debattenteilnehmer, formuliert durchdachte und treffende Argumente, nimmt nicht Anstoss und kann die Frage dem Interviewer zurückgeben, wenn er keine Antwort weiss. Und wenn man ihn fragt, ob die Grünliberalen mit 5 von 115 Abgeordneten das Recht haben, einen der fünf Sitze des Regierungsrates zu fordern, meint er:
«Meinen Sie, dass es richtig ist, dass mit acht im grossen Rat vertretenen Parteien, zwei davon die Regierung alleine monopolisieren?»

Raphaël Grandjean wendet in seinen Diskursen die Zitate an, die er sich manchmal von Philosophen und Schriftstellern ausleiht:
Pascal, Rousseau, Kipling.
Er sagt, er lese sie.
Für seine Ausgeglichenheit hört er auch Musik; klassische oder die des Varietés.
Gelegentlich ist er auch Pianist.

Er ist seit zwei Jahre ausserhalb des linken und des rechten Blocks in der Politik, obwohl die Grünliberalen sich, um in das Parlament hinein zu kommen, mit der FDP verbündet haben.

Raphaël Grandjean erkennt sich im doppelten grünen und liberalen Bestreben wieder, ohne Ideologie, das Vorrücken der Verfechter der sozialen und der persönlichen Verantwortung begrüssend.

Er verabscheut dualistische Meinungen, extremen Individualismus, «aufgeblähte Egos», fügt er hinzu.

Er ist sicher ein Leiter mit starken Überzeugungen, aber er erklärt sich zum Konsens bereit. Überzeugung des Geschäftsführers. “Ich habe meinen Standpunkt niemals vorgeschrieben. Ich teile ihn mit meinem Kader und es ist notwendig, eine befriedigende Lösung für eine Mehrheit zu finden. ”

Dem Beispiel des Schemas sich kreuzender Pfeile folgend, das auf eine Arbeitstabelle in seinem Büro gezeichnet ist, weiss Raphaël Grandjean, dass die Probleme vielschichtig sind und nach nuancierten Lösungen verlangen. Er sagt «die Nuance ist, an die Intelligenz zu appellieren».

Mindestens so viel, wenn nicht mehr als diejenigen, die seine Konkurrenten sein werden – die Nationalräte FDP Laurent Favre und SVP Raymond Clottu haben sich zu Kandidaten der Wahl vom 28. September erklärt – meint Raphaël Grandjean von sich, das Profil eines Ministers zu haben, der bereit ist, eine Regierungsmannschaft auf zu stellen. Seine Erfahrung als Unternehmer mit einer gewinnbringenden und funktionellen Ethik lässt sich, schätzt er, auf die eines Ministers übertragen, der in seiner Rolle als Regierungschef regieren und entscheiden muss und ein kollegialer Mitwirkender in der Regierungsstrategie sein soll. Er beabsichtigt, sich – soweit er im Rennen ist – als atypischer Kandidat abzuzeichnen, ausserhalb des inneren Kreises der Politiker, nach seiner Persönlichkeit und seinen Kompetenzen und nicht als Vertreter einer Partei zu beurteilen.

Der Präsident der Grünliberalen befürwortet eine originelle Methode, um drei der Hauptproblemen des Kantons zu lösen: Er preist die Transversalität an, um eine abgestimmte Antwort auf die Fragen zur Mobilität, den Krankenhäusern und der Region zu finden.

Mit grossem Selbstvertrauen auftretend, stolz auf seinen Werdegang, manchmal ein Besserwisser, selbst wenn er sich davon ausdrücklich distanziert, wäre Raphaël Grandjean opportunistisch? Er denkt nach, verurteilt den Opportunismus des Umstandes und gibt zu «gewusst zu haben, Gelegenheiten zu ergreifen, aber mit Folgen». Als wahrscheinliche dritte Person bei der Wahl des Nachfolgers von Yvan Perrin wird er sich nicht damit begnügen, beim Duell Favre-Clottu Schiedsrichter zu spielen. Er beabsichtigt, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen, indem er seine befürwortende Stimme hören lässt, eine andere Art von Politik zu machen, imstande ausserhalb der FDP und SVP zu überzeugen. Sollte er nicht gewählt werden, wird er aus der Kampagne zu dritt einen Nutzen gezogen haben, der ihm eine allgemeine Bekanntheit für die Zukunft garantieren wird.

«Meinen Sie, dass es richtig ist, dass mit acht im grossen Rat vertretenen Parteien, zwei davon die Regierung alleine monopolisieren?»

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